München: größter Radlogistik-Hub Deutschlands

Ende Juli 2025 hat die Stadt München den neuen Radlogistik-Hub an der Paketposthalle eröffnet, Deutschlands größte Drehscheibe für Lieferungen mit Lastenrädern. Das Zentrum erstreckt sich über 2.000 Quadratmeter und bietet umfassende Infrastruktur für die urbane Logistik, darunter Lagerräume für Palettenware sowie für Kühl- und Standardlogistik, eine Werkstatt für Dienstfahrräder, Aufenthaltsräume für Lastenradfahrer sowie einen Showroom für Logistikdienstleister. Von hier aus werden Waren, gekühlte Lebensmittel und Medikamente emissionsfrei auf der letzten Meile in die Stadt geliefert. Das Münchner Mobilitätsreferat arbeitet eng mit der Wirtschaft zusammen, um die spezifischen Bedürfnisse der Logistikbranche zu berücksichtigen

Einer der Pilotpartner ist der Logistiker Dachser, der im Rahmen des Projekts die emissionsfreie Zustellung gekühlter Lebensmittel in der Münchener Innenstadt testet. Die Lieferungen starten vom Dachser-Standort in Neufahrn und werden über den neuen Radlogistik-Hub an der Paketposthalle umgeschlagen. Dort werden die Waren in gekühlten Containern zwischengeparkt und anschließend zu Hotels, Restaurants, Supermärkten und Feinkostgeschäften gebracht.

Dachser gewinnt wichtige Erkenntnisse

Dabei kommen zwei unterschiedliche Transportlösungen zum Einsatz: ein Lastenrad mit isoliertem Transportbehälter und batteriebetriebenem Kühlaggregat von GreenZen Solutions, das eine Nutzlast von 190 Kilogramm bewältigen kann, sowie ein Anhänger von MBM mit passiver Kühlung über Kühlakkus und Ventilatoren, der eine komplette Europalette mit bis zu 400 Kilogramm transportieren kann. Während des gesamten Transportprozesses wird die Kühlkette überwacht, um hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Das Pilotprojekt in München hat in den ersten Monaten bereits sehr wichtige Erkenntnisse erbracht. „Auf der technischen Seite konnten wir ausgiebig testen, was bereits gut funktioniert und wo noch weiter optimiert werden muss“, sagt Stefan Behrendt, Managing Director Food Logistics bei Dachser. Genau das habe sich der Logistiker auch vom Projekt versprochen: gemeinsam mit seinen Partnern die derzeitigen Herausforderungen zu identifizieren und über mögliche Lösungen zu sprechen.

„Wir haben mit dem Projekt aber auch gesehen, dass der Einsatz von Lastenfahrrädern für gekühlte Transporte durchaus wirtschaftliches Potenzial hat“, fügt er hinzu. Gleichzeitig wurde das Unternehmen in seiner Annahme bestätigt, dass der Lebensmitteltransport per Lastenrad seine ganz eigenen Anforderungen hat. „Hier geht es auch um Themen wie die optimale Tourenplanung oder das Handling von Papierlieferscheinen. Da ist so ein Pilotprojekt die ideale Möglichkeit, tief in die Details gehen zu können“, betont Behrendt.

GLS setzt sechs E-Lastenräder ein

Der Paketdienstleister GLS nimmt ebenfalls am Pilotversuch teil und bestätigt, dass das Projekt auch aus GLS-Sicht sehr gut angelaufen sei. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor sei die Erfahrung des Transportpartners B4B Logistic, der bereits für andere Dienstleister Fahrradlogistik erfolgreich betreibt und nun auch für GLS im Einsatz ist. „Seit dem Start funktioniert die Zustellung unserer Pakete reibungslos und noch effizienter – alle Pakete gelangen taggleich und ohne Verzögerung zu den Empfängern“, berichtet Andreas Rickert, GLS-Regionalleiter für Süddeutschland. Aktuell setzt GLS sechs E-Lastenräder des Herstellers Rytle ein. Die Flotte soll in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden, um Schritt für Schritt zusätzliche Zustellkapazitäten bereitstellen zu können.

„Wir konnten für unser neues Radlogistik-Hub an der Paketposthalle seit Projektstart neue Mieter gewinnen, darunter ein Hersteller für Lastenräder und ein Getränkehersteller, der seine Logistik aus dem Hub heraus per Lastenrad organisiert“, sagt der Mobilitätsreferent der Stadt München Georg Dunkel. Mit weiteren Interessierten sei man derzeit in Gesprächen.

Der Hub ist das zweite städtische Logistikzentrum für Fahrräder und ergänzt das bereits etablierte Zentrum am Viehhof. Entwickelt und umgesetzt wurde das Projekt im Rahmen des EU-Förderprogramms „MetaCCAZE“. Die Förderung unterstützt zunächst den Betrieb, langfristig soll sich der Hub jedoch selbst tragen. Mit dem Radlogistik-Hub an der Paketposthalle setzt München einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltiger und effizienter urbaner Logistik.

Autor: Nicole de Jong

Fotos: Presseamt München/Michael Nagy

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