Ein Modell für Nachhaltigkeit und Effizienz

Hamburg, als Tor zur Welt und eines der größten Logistikzentren Nordeuropas, nimmt eine Vorreiterrolle bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen urbanen Logistik ein. Angesichts wachsender Städte, zunehmendem Online-Handel und ehrgeizigen Klimazielen hat die Hansestadt eine Vielzahl innovativer Projekte und Strategien implementiert, um die letzte Meile effizienter, nachhaltiger und weniger belastend für Bevölkerung und Umwelt zu gestalten.

Stau, Lärmbelästigung, Luftverschmutzung und ein hoher CO2-Ausstoß belasten die Lebensqualität in der Stadt erheblich. Gleichzeitig steigt das Paketvolumen exponentiell, was den Druck auf die innerstädtische Infrastruktur weiter erhöht. Es zeigt sich, dass die Marktversorgung bei privaten Haushalten seit 2014 deutlich stärker zulegt als bei Unternehmen. Während sich der KEP-Index „Haushalte“ von etwa 32 Sendungen je Haushalt auf mehr als 63 Sendungen je Haushalt verdoppelt hat, ist beim KEP-Index „Unternehmen“ eine Stagnation zu verzeichnen. Das ist ein Ergebnis der „KEP-Studie 2025“ des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BPEX).

Urbane Zukunft mit Quartiershubs

Hamburg setzt daher auf eine Transformation hin zu einem smarten und grünen Logistiksystem. Ein Kernstück der Strategie ist die Optimierung der Letzten Meile. Die Einrichtung kleiner, dezentraler Umschlagpunkte in urbanen Gebieten, sogenannte Mikrodepots und Quartiershubs, ermöglichen die Konsolidierung von Lieferungen. Von diesen aus erfolgt die Zustellung der Pakete dann mittels umweltfreundlicher Transportmittel wie Lastenrädern oder elektrischen Lieferfahrzeugen. „Wir wollen die Stadt nicht nur smarter, sondern auch grüner machen“, betont Sophronius Schalies, Projektmanager Urbane Logistik bei der Logistik-Initiative Hamburg. Auch unkonventionelle Transportwege, darunter Paketzustellung über Paketstationen, Out-of-Home-Delivery genannt, und die Nutzung von Wasserwegen werden vorangetrieben, um den Verkehr in den Wohngebieten zu reduzieren.

Am Kaltenkircher Platz in Altona zeigt Hamburg, wie urbane Zukunft aussehen kann. Wo einst Autos parkten, ist im Rahmen des EU-Projekts MOVE21 ein sogenannter Quartiershub entstanden: mit Fahrradbügeln, E-Scooter-Flächen und einem hvv switch Punkt, an dem verschiedene Verkehrsmittel des Hamburger Verkehrsverbunds (hvv) und seiner Partner gebündelt zur Verfügung stehen, um den Umstieg vom privaten Auto auf klimafreundlichere Alternativen zu erleichtern. Ein Mikrodepot des Logistikunternehmens Tricargo ermöglicht Lieferungen per E-Lastenrad.

Die Digitalisierung spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung und Optimierung der urbanen Logistik. Hamburgs Urban Data Platform sammelt und analysiert Verkehrsdaten in Echtzeit, um das Verkehrsmanagement zu verbessern und langfristige Planungen zu unterstützen. Im Rahmen des Projektes „SmaLA – Smarte Liefer- und Ladezonen“ konnten KEP-Dienstleister und andere gewerbliche Lieferanten bis Ende 2024 das Reservieren von insgesamt 20 Liefer- und Ladezonen über eine App ausprobieren. Ziel war es, den Parksuchverkehr und das Parken in zweiter Reihe zu reduzieren. Damit sollte die Verkehrssicherheit erhöht und die Umweltbelastungen reduziert werden. „Technologie ist der Schlüssel zur Entlastung unserer Straßen und zur Reduzierung von Emissionen“, betont Schalies. Langfristig werden auch Konzepte für die automatisierte Zustellung erforscht, um das Potenzial autonomer Fahrzeuge und Roboter auszuschöpfen.

Ladezonen für emissionsfreie Fahrzeuge

Hamburg hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt: So sollen die CO2-Emissionen im Bereich Logistik um 40 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2017 reduziert werden. Um dies zu erreichen, wird nicht nur auf technische Innovationen gesetzt. So sollen vermehrt Ladezonen für lokal emissionsfreie Fahrzeuge als Anreiz für Lieferunternehmen zur Flottenelektrifizierung eingerichtet werden. Auch das „Siegel der Hamburger Umweltflotte“, mit dem teilnehmende Unternehmen Ihren Beitrag für eine nachhaltigere und emissionsfreie Logistik in Hamburg auf ihren Fahrzeugen im Stadtbild sichtbar machen und so ihr Image betonen oder gar aufwerten können, zahlt darauf ein.

Die Evaluierung der Strategie „Letzte Meile“ ist für Ende 2025 vorgesehen und wird derzeit inhaltlich vorbereitet. Ziel ist es, den bisherigen Umsetzungsstand systematisch zu erfassen, die Wirkung einzelner Maßnahmen zu bewerten und auf dieser Basis konkrete nächste Schritte abzuleiten. Im Fokus stehen dabei insbesondere praxisnahe Empfehlungen, um die Ziele der Strategie bis 2030 verlässlich zu erreichen.

Autor: Nicole de Jong

Fotos: MOVE21

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